Abgründe - Über das Böse
Mi.
21.03.
19.00 Leibnizforum Leipzig
Böse oder verrückt? - Der psychiatrische Blick auf Straftäter
Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber, Berlin
In Kooperation mit:
Volkshochschule Leipzig
Das Böse ist eine Eigenheit der Tat, nicht primär der Person; es offenbart sich im Tatgeschehen und endet mit ihm. In der Hoffnung, ein Monster zu erblicken, schaut die Öffentlichkeit enttäuscht auf den Täter in all seiner Banalität und Gewöhnlichkeit und vermag das Böse nicht mehr zu sehen. Man muss kein böser Mensch sein, um böse Taten zu begehen. Aber als Zuschauer, Teilnehmer, Opfer der Tat vermögen wir das Böse zweifelsfrei zu erkennen, und wir erleben unmittelbar evident das Böse als einen Akt der Freiheit, der Willkür des Täters, der schlimmstmöglichen Nutzung seiner Freiheits-Räume. Gleichwohl gibt es auch psychische Störungen, welche die Fähigkeit zur angemessenen Situationswahrnehmung und zur Handlungssteuerung massiv beeinträchtigen. Die Unterscheidung zwischen der Freiheit des Kriminellen und der Unfreiheit des Kranken bleibt schwierig, aber gleichwohl notwendig.
Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber ist Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Charité Berlin.
Volkshochschule Leipzig
Löhrstraße 3-7
04105 Leipzig